Re: LT Allrad oder 2WD mit Diff


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Geschrieben von Chris am 14. Februar 2021 11:11:35:

Als Antwort auf: LT Allrad oder 2WD mit Diff geschrieben von IngoMZ am 12. Februar 2021 14:28:47:

Servus Ingo,

dazu musst du dir in mehrerlei Hinsicht Gedanken machen. Als erstes mal austesten, wie lange ihr es miteinander und mit Nachwuchs in einem solchen Fahrzeug unterwegs aushaltet, wenn keine weitere Infrastruktur wie auf dem Campingplatz vorhanden ist, es mal ein paar Tage durchregnet etc..

Der LT an sich ist keine schlechte Basis. Die Teileversorgung beim 4x4 ist nicht so schlecht, wie es manchmal heißt. Und das Ganze vom Zahnriemenwechsel abhängig zu machen, ist natürlich lächerlich. Den wechselt so manche Buschwerkstätte sicher fachmännischer als eine deutsche Fachwerkstatt mit ausgebildeten Teiletauschern a/k/a Mechatronikern.

Du musst halt richtig Geld in die Hand nehmen. Eine gute LT 4x4 Basis kostet (ohne nennenswerten Ausbau) 15.000-20.000. Aus- und umgebaute Fahrzeuge gehen je nach Zustand mittlerweile bis 60.000. Je nach Laufleistung sind mitunter die Achsgetriebe verschlissen, wenn man das ordentlich machen lässt, sind noch mal ein paar Tausender fällig. Ich kenne nur zwei nennenswerte Adressen in Deutschland, die das ordentlich und haltbar machen können. Bei den Bremsen gibt es auch oft einen Wartungsstau, weil die Teile nicht an jeder Ecke zu bekommen sind (aber es gibt sie noch). Ansonst halt noch Nacharbeiten je nach Zustand. Bei Motorenthemen kann auch ich dir weiter helfen, ggf. auch gleich mit generalüberholtem Austauschmotor. Auch in Sachen Verteilergetriebe gibt es Adressen.

Ich habe mit einigen 4x4-Fahrern Kontakt, die auch damit auf der Welt unterwegs waren oder gerade sind. Was mich dabei oft erschreckt ist die mitunter völlige Ahnungslosigkeit, die die Leute von ihren Fahrzeugen haben. Handwerkliches Geschick ist nicht jedem gegeben, das ist ok. Aber zumindest sollte man alle Komponenten an seinem Fahrzeug samt deren Funktion kennen und sich mit der Technik vorher beschäftigen. Auch insgesamt mit dem Zustand - manche fahren wirklich mit dem Fahrzeug so wie es ist auf große Reise und erliegen dann unterwegs irgendwelchen Pannen, die eine Folge mangelnder Kontrolle und langjährigen Wartungsstaus sind. Erstaunlicherweise kommen viele selbst unter diesen Umständen relativ weit. Ich kenne aktuelle Berichte, wie in Buschwerkstätten der Hauptbremszylinder überholt wird, wie man dort aus ein paar Teilen Schrott ein Spezialwerkzeug fertigt, um die mit 600Nm (!) angezogenen Nutmuttern an den 4x4 Radnaben zu öffnen etc.. Da geht grundsätzlich schon was, wenn man mit Land und Leuten klar kommt.
Wichtig ist aber, wie auch schon geschrieben wurde, daß man Kontakte hat und weiß, wer einem helfen kann. Sei es mit Ferndiagnose und Ratschlägen, als auch zur Not mit Ersatzteilen, die man sich per UPS worldwide schicken lassen kann.

Und es ist grundsätzlich richtig, wie schon gesagt wurde: Der LT ist weltweit ein eher seltenes und unbekanntes Auto. Da gibt es andere Modelle, die den Mechanikern rund um den Globus wesentlich geläufiger sind und wo die Chance, daß z.B. ein passendes Teil noch irgendwo hinter dem Schuppen liegt, wesentlich höher ist.

Zum Thema 4x4 vs 4x2: Natürlich kommst du mit dem 4x4 an Stellen, wo du mit dem 4x2 nicht hinkommst. Aber wie es bei den Audi Quattro-Fahrern so schön heißt: Da stecken bleiben, wo andere gar nicht hinkommen. D.h. am Ende bist du auch auf schlechten Wegen mit dem 4x4 am A* und kommst nicht weiter oder legst ihn auf die Seite. Andersherum kommst du mit dem 4x2 sehr weit, wenn du sinnvolle Strecken wählst. Ein angepasstes Fahrwerk und eine Sperre (die es für alle LTs optional gab) helfen natürlich. Der Hanno hat da mal einen schönen Bildvortrag von seiner Tour Richtung Zentralasien mit seinem 4x2 gemacht. Die Ausrüstung ist weniger entscheidend als die Art, wie du damit umgehst. Und im Falle das Falles bist du immer auf fremde Hilfe angewiesen. Wie der Martin schon schreibt, sinnvolles Zubehör wie Sandbleche, Schleppseile, Ketten, guter Wagenheber, Schaufeln sind so wichtig wie das Fahrzeug selbst.

Was die Feuerwehrfahrzeuge mit Rolltor angeht: Zum Umbau des Rolltors auf Türen kann ich nichts sagen, sollte aber meiner Meinung nach problemlos machbar sein. Diese Fahrzeuge haben aber meist ein flaches Dach. Da kriegst du zum einen deutlich weniger unter, zum anderen verbring mal ein paar Tage mit monsunartigem Regen in einem engen Raum, in dem du nicht stehen kannst sondern dich stets nur gebückt bewegen. Ich persönlich krieg da nach einer Stunde schon die Krise und Rückenschmerzen. Ein Hochdach aufzusetzen geht natürlich, ist aber wieder mit ordentlich Aufwand verbunden.

Was ich generell empfehlen kann, ist der Besuch eines oder mehrerer Globtrottertreffen. Da kannst du mit Leuten sprechen, die wirklich Erfahrung haben und nicht nur schlau daher faseln. Dabei kannst du dir auch verschiedene Basisfahrzeuge ansehen und dir die Vor- und Nachteile erklären lassen. Hoffen wir mal, daß der Pandemie-Verlauf dieses Jahr auch wieder Treffen zulässt.

Noch eine Empfehlung: Lass die anfängliche Euphorie und Lagerfeuerträume erst mal abklingen. Mit der rosa Brille auf ist schlecht geplant und schlecht eingekauft. Ich weiß selbst, wie die Corona-Situation zum Träumen verleitet. ;-)


Gruß Chris
(Sülzer LT 4x4)



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